Verantwortlichkeit

Das große Wort Verantwortung heißt in unserem Kontext, dass Individuen und Gruppen sich (auch anderen gegenüber) verantwortlich für ihre Entscheidungen und ihre Handlungen zeigen. Es heißt auch, dass du als Individuum ein Teil von etwas Größerem als deiner eigenen Arbeit sein kannst. Normalerweise sprechen wir über Verantwortung nur im negativen Sinne: wenn jemand sich „unverantworlich verhält“. Solche Unterhaltungen können sich oftmals wie ein Mienenfeld anfühlenwenn sich jemand angegriffen fühlt, was darf man dann noch sagen oder tun? Deswegen wollen wir lieber aktive Verantwortung fördern. All unsere guten Absichten können es schwierig machen, wirklich verantwortlich zu handeln, denn der Gedanke in einem Minenfeld daneben zu treten (oder jemand anderem auf die Füße) ist einschüchternd – deshalb geht man vielleicht keine Risiken ein oder findet neue Wege etwas zu tun oder zu kommunizieren. Wir sollten also Verantwortlichkeit als einen Prozess begreifen, einen Weg, den wir Schritt für Schritt gehen, dabei lernen und uns so gut verbessern wie wir können, und nicht Verhalten kategorisch in „verantwortlich“ und „unverantwortlich“ einordnen.

Clayton Thomas-Muller vom US-amerikanischen Indigenous Environ-mental Network (IEN) beschrieb für Organizing Cools The Planet, was Verantwortung – in der US-Debatte wird der Begriff accountability verwendet – für sein Netzwerk heißt, wenn es mit Umwelt-NGOs zusammenarbeitet:

Bei IEN haben wir immer versucht, unseren Prinzipien treu zu bleiben, wenn wir mit nicht-indigenen Organisationen zusammenarbeiten. Ein Weg, um das zu tun, ist darauf zu bestehen, dass diese Organisationen sich auf native communities in einer Art und Weise einlassen, die respektvoll mit unseren speziellen Bedürfnissen als native people umgeht. Wir müssen uns sicher sein, dass sie unsere Oberhäupter nicht als Aushängeschild für Kampagnen oder Initiativen benutzen, die der Außendarstellung und dem Kraftzuwachs der NGO zuträglich sind statt der Außendarstellung und der Kraft und Macht der community. Wir bringen sie dazu, Mechanismen zu entwickeln, um sicher zu gehen, dass das Recht auf freie und bewusste Einwilligung der indigenen communities respektiert wird und dass alle Interessenvertreter*innen der community einbezogen werden; auch unsere traditionellen Menschen, unsere Jäger, unsere Frauen, unsere Jugend und eben nicht nur die autonomen Regierungen.“

Ohne Verantwortlichkeit können wir nicht zusammenarbeiten! Eine Praxis von aktiver Verantwortung aufzubauen ist eine Kernkomponente dafür, Kämpfe zusammenzuschließen, weil es helfen kann:

  • Vertrauen zwischen Gruppen aufzubauen, die von den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kräften eigentlich voneinander getrennt werden sollen

  • sich konsequent an die Ziele, die man geäußert hat und mit anderen teilt, zu halten
  • sicherzustellen, dass unsere Handlungen und Entscheidungen bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten nicht auch noch verschlimmern

  • Beziehungen aufzubauen, die unsere sozialen Beziehungen über Unterschiedlichkeiten hinweg reparieren. Oft werden wir mit destruktiven Verhaltensweisen oder Ideen sozialisiert, die unsere Fähigkeit schwächen, kollaborative, soziale und politische Power aufzubauen.

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