Prinzipien aktiver Verantwortlichkeit

Manchmal missverstehen Menschen, die sich als „Verbündete“ sehen, die Idee von Verantwortlichkeit und denken, dass es einfach nur heißt zu tun was dir gesagt wird. Aber Verantwortlichkeit ist etwas gegenseitiges und zyklisches, und nicht etwas was dir einfach von außen zugetragen wird. Folgende vier Prinzipien helfen, Verantwortlichkeit zu fördern:

  • Transparenz heißt, deine organisatorische Struktur, Ziele, Wünsche, Perspektiven und Motivationen und auch Schwächen anderen, mit denen du zusammenarbeitest so klar wie möglich zu machen. So können wir ein gleiches Verständnis unserer Arbeit entwickeln. Mit manchen Gruppen, kann es schwierig sein, wirklich tiefgehende Transparenz zu erlangen, wenn bspw. Gruppen ihre Strukturen nicht ganz offenlegen können oder durch Regularien von NGOs bestimmte Handlungen vorgegeben sind. Damit muss man eine sensible Umgehensweise finden, in der allen Beteiligten zumindest klar wird, was geht und was nicht und warum – eben die größtmögliche Offenheit.

  • Partizipation bedeutet, allen Beteiligten die Möglichkeit zu schaffen, sich aktiv und gleichberechtigt einzubringen, insbesondere bei Entscheidungen, die diese Menschen und ihr Leben direkt betreffen. Oft bezieht sich Partizipation darauf, Entscheidungsprozesse so zu gestalten, dass alle Stimmen gehört werden können (s. dazu auch “Partizipation und Konsensfindung“).

  • Reflexion und Bedachtheit: Das Bewusstsein, Verantwortlichkeit als einen Prozess zu begreifen, und zu erkennen, dass sich Themen, Menschen und Bedürfnisse mit denen wir arbeiten mit der Zeit verändern. Nur weil ein Bündnis sich im ersten Jahr der Zusammenarbeit Mühe gegeben hat, ein Klima der gegenseitigen Verantwortlichkeit zu schaffen, heißt nicht dass genau das gleiche drei Jahre später noch funktioniert, wenn sich vielleicht die Mitglieder des Bündnisses, die Ziele usw. in der Zwischenzeit verändert haben. Reflexion heißt diesen Veränderungen bewusst nachzuspüren.

  • Reaktion bedeutet die Bereitschaft, wenn man durch Reflektion erkannt hat, dass bestimmte Praktiken so nicht mehr funktionieren, auch Anpassungen daran vorzunehmen – seien es die Gruppenstruktur, die Kommunikationswege oder die Art wie über gemeinsame Wünsche gesprochen wird.

In diesem Kreis seht ihr die verschiedenen Prinzipien der Verantwortung dargestellt, und wie sie dynamisch ineinander fließen können. Wir glauben nicht, dass es eine allgemeine Formel gibt um das alles umzusetzen, aber es gibt ein paar Ideen für einen möglichen Weg, um sich der Verantwortung anzunähern.

Wir hoffen, dass es schon deutlich geworden ist, wie wichtig es ist, dass unsere Bewegung weiter wächst, dass wir Überschneidungspunkte mit anderen Bewegungen und Bewegungsakteur*innen finden und dass wir lernen, gemeinsam zu arbeiten. Verantwortlichkeit ist dabei nicht das Ziel, sondern eines der zentralen Werkzeuge auf dem Weg zu bedeutungsvoller Zusammenarbeit – und Zusammenarbeit passiert nicht einfach so. Hier ein paar erweiterbare Ideen zu Phasen hin zu gemeinsamer Arbeit: Die Menschen und Gruppen, die überlegen oder planen zusammenzuarbeiten, sollten sich bewusst machen, woher ihre jeweilige Sicht der Welt, ihre Strategie, ihre Inspiration kommt. Auf Grundlage davon kann man sich orientieren und bewusst überlegen, wessen Vorstellungen und Wünsche die Ausrichtung der gemeinsamen Arbeit wie beeinflussen werden (z.B. der Stellenwert der Wünsche der am stärksten Betroffenen). Wiederum darauf aufbauend kann achtsam erarbeitet werden, wie Pläne geschmiedet werden können, die die Unterschiedlichkeit von Wünschen nicht nur respektieren, sondern als zentralen Antrieb haben, besonders die betroffener Menschen und Gemeinschaften. Man lernt, gemeinsam zu arbeiten. Durch gelebte Verantwortlichkeit im Arbeitsprozess wird nun das Vertrauen ineinander vertieft. Menschen und Gruppen beginnen, Werte und Prioritäten, zwischenmenschlich wie politisch, zu teilen.

 

Punkte, die du dir merken solltest:

  • Verantwortlichkeit als Werkzeug: Wichtig zu beachten ist, dass nicht Verantwortlichkeit, sondern Zusammenarbeit das Ziel ist. Das beruht darauf, dass Verantwortlichkeit eher eine Grundhaltung als ein entferntes Ziel sein sollte. So zeigt der Weg, den wir hier vorschlagen, nur den Bogen der zu schlagen nötig ist, um zwischen verschiedenen (Teilen von) Bewegungen tatsächlich Zusammenarbeit stiften zu können.

  • Übung: Nimm dir etwas Zeit um gründlich darüber nachzudenken, wo auf diesem Pfad dein Projekt oder deine Organisation (im Verhältnis zu anderen Menschen und Gruppen, die daran arbeiten) lokalisiert ist. Welche Schritte kannst du erkennen, die helfen Zusammenarbeit weiter zu entwickeln? Wie will deine Gruppe das umsetzen?

  • Verantwortlichkeit weiter und weiter aufbauen: Offensichtlich beruht das alles auf Beziehungen, die wachsen müssen. Das bedeutet, dass verantwortlich zu arbeiten nicht über Nacht passiert, sondern ein sich stetig entwickelnder Prozess ist.

  • Strategisch: Weißt du, warum du Beziehungen zwischen verschiedenen Sektoren der Bewegung aufbauen möchtest? Wie bringt es die Arbeit als Ganzes weiter? Was ist die Strategie dabei, Kämpfe miteinander zu verbinden? Diese Frage ist nützlich um von der Haltung wegzukommen, dass alles einfach dadurch erledigt wird, „überhaupt Beziehungen zu haben“.


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