Mary – Über Geld spricht man nicht, wir schon

Auch der sogenannte Solitopf beim Klimacamp ist eine Art, Care im Bewegungskontext aktiv mitzudenken. Mary, aktiv bei der Degrowth Sommerschule und dem Klimacamp, berichtet uns dazu folgendes:

„Über Geld spricht man nicht? Wir schon!“

Mit einem „Solitopf“ versuchen wir eine bewusste Reflexion darüber zu schaffen, was Geld ohnehin mit uns macht – in unseren politischen Leben, in denen sich Arbeit und Engagement oft nicht trennen lässt. Alle Menschen, die sich in der Organisation von Klimacamp und Sommerschule einbringen wollen sind auf unseren Treffen eingeladen, ihre finanziellen Bedarfe nach Selbsteinschätzung „anzumelden“. Dazu treffen sie sich als Kleingruppe. Der moderierte Gruppenprozess umfasst dabei folgende Schritte: In sich gehen und den eigenen Bedarf zunächst für sich selbst formulieren; freiwilliges Erzählen darüber und über die eigene Lebenssituation; gemeinsame Reflexion dessen, was das Sprechen und Zuhören mit uns macht; gemeinsames und achtsames Festlegen der Gelderverteilung.

Die Erfahrungen aus den Kleingruppen zeigen immer wieder: über Geld reden bedeutet, über alles zu reden. Geschützte Gesprächsräume sind deshalb wichtig. Aber auch reflektierte Gruppen reproduzieren dieselben Privilegien, die überwunden werden wollen. Der gesellschaftliche Umgang mit Geld verdeckt dabei vor allem eine Erkenntnis: Bedürfnisse sind immer sozial und nie absolut. Die Schwierigkeit, aber auch die große Kraft eines solidarischen Modells besteht darin, die Vielfalt der Lebensentwürfe zu schützen und Menschen in unserer Lohnarbeitsgesellschaft zu entlasten. Das kann nur geschehen, wenn der Umgang mit Geld in diesem Prozess einer ist, der nicht aus selbstgestecktem Erfolgsdruck die „Geld gegen Leistung“-Logik anwendet.

Wir müssen über Geld sprechen! Denn nur so kann ans Tageslicht kommen, was es zu verändern gilt: Wieso haben wir überhaupt Geld für unser Engagement? Wie können wir unsere Bewegungsarbeit damit am besten stärken? Wieso zeigen wir uns nicht solidarisch mit anderen Bewegungen, die sich aufgrund ihrer marginalisierten Bedeutung in der Gesellschaft deutlich schlechter finanzieren können? Wer kann es vor sich und der Gruppe legitimieren, Geld zu nehmen, wer fühlt sich ausgeschlossen? So oder so: Geld ist ein Gestaltungsmittel. Wenn wir es nicht gestalten, gestaltet es uns.“

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