Care und tägliche Arbeit neu wertschätzen

In Graswurzel-Organisierungen ist es leicht, unsere Erfolge in großen Events oder Medienspektakeln zu messen. Im Sommer 2015 gingen im Rahmen von Ende Gelände um die 1000 Menschen in die Kohle-gruben im Rheinland, mehr als jemals zuvor, und die Bilder gingen um die Welt. Im darauf folgenden Jahr waren es in der Lausitz bereits 3500 Menschen.

Aufregend, vielleicht, aber Erfolge nur durch diese Höhepunkte zu messen, zeichnet ein unvollständiges Bild. Die Darstellung des Erfolgs durch die Masse an Teilnehmenden o.ä. sagt nichts über das tatsäch-liche Organisieren aus – Treffen koordinieren, Material besorgen, Förderanträge schreiben, Prozesse be-gleiten usw. – die solche Events überhaupt erst möglich machen. Mehr noch: Es übersieht völlig die Fähigkeiten, die nötig sind, um die zwischenmenschlichen Beziehungen aufzubauen, beizubehalten und zu reparieren, die diese „unsichtbare“ Arbeit möglich machen.

Wir alle wissen, dass “self-care” sehr wichtig ist, um diese Arbeit machen zu können. Aber oft sehen wir Care einfach nur als einen weiteren Punkt auf der To-Do-Liste, der immer weiter nach unten rutscht. Wir sollten uns aber nicht erst dann eine (Atem-)Pause gönnen, wenn wir fast in Aufgaben ertrinken. Uns um uns selbst zu kümmern heißt meistens, einen Schritt von unserer politischen Arbeit wegzugehen – und das muss okay sein.

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