Die Wiederbesetzung des Hambacher Forsts

Bewegungsgeschichten gibt es viele, und in den allermeisten stecken schon viele begeisternde und bewegende Elemente. Wir können versuchen, uns der Dinge, die inspirierende Erzählungen ausmachen, stärker bewusst zu werden, und sie in die Geschichten, die wir wieder und wieder erzählen, einfließen lassen.

Die Wiederbesetzung des Hambacher Forstes

Schon viele Jahre kämpften einige Menschen aus den Dörfern am Braunkohletagebau Hambach gegen das Energieunternehmen RWE: Gegen die Erweiterung des Tagebaus, die Umlegung der Autobahn, die Folgen des Braunkohleabbaus für die Region und darüber hinaus. Nach dem Wald-statt-Kohle-Fest im April 2012 wurde dann ein Waldstück nahe der Rodungskante am Braunkohletagebau Hambach besetzt: Aktivist*innen aus der Umgebung und aus anderen Teilen der Welt, die bereit waren, für eine Zeit ihren Lebensmittelpunkt in den konfliktbeladenen Wald zu verlegen, unterstützten damit auf ihre Weise die Kämpfe, die dort schon lange gefochten wurden. Kaum etwas kommuniziert besser, dass eine Abholzung des Waldes zum Zwecke der fossilen Rohstoffgewinnung nicht hingenommen wird, als die Bilder entschlossener Menschen, die in diesen Bäumen wohnen. Die Besetzung wurde schnell zu einem Brennpunkt der lokalen Themen und brachte so auch der Arbeit der lokalen Menschen mehr Auf-merksamkeit. Andersherum unterstützten auch Menschen aus lokalen Initiativen die Besetzung, mit Sachspenden und Vielem mehr.

Als im November 2012 RWE in Auftrag gab, den Wald von der Polizei räumen zu lassen, war es nicht zuletzt dieser Schulterschluss zwischen „den Menschen von nebenan“ und den Aktivist*innen, der eine große Solidarität der lokalen Menschen mit den Besetzer*innen spürbar werden ließ. Es kam bei allen eine Stimmung auf, den Wald weiter verteidigen zu wollen. Die Aktivist*innen kündigten an, schon bald neu zu besetzen – was sie nicht einmal eine Woche später auch taten. Durch diese Ankündigung und die gezeigte Solidarität übernahmen die Beteiligten das Ruder der Geschichtenerzählung und schrieben ihre Geschichte selbst.

Seitdem ist der im Jahr 2017 noch immer besetzte Hambacher Forst in der Region und darüber hinaus zu einem Sinnbild für den Widerstand gegen Kohleabbau und das System, in dem er möglich ist, geworden.

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