Eine Richtung einschlagen

Wenn man neu in die politische Arbeit einsteigt, die eigene frontline gefunden hat und versucht in Solidarität mit frontline communities zu handeln, ist es nicht immer einfach zu wissen, wo man anfangen soll. Oft gibt es uns Orientierung, uns umzuschauen und zu sehen, welche Menschen in unserem Umfeld schon organisiert sind. Vermutlich treffen wir inspi-rierende Leute, die uns zeigen, was ihre Aufgaben sind und die uns so motivieren, Neues auszuprobieren, was wir uns vorher vielleicht gar nicht vorstellen konnten. Diese inspirierenden Menschen müssen bei Weitem nicht die lautesten und bekanntesten sein. Sowieso sind sich ja auch in Gemeinschaften aller Art nie alle einig, also kann man eigentlich nur daneben liegen, wenn man sich nach einer einzelnen Person richtet. Vielmehr geht es darum, als Gemeinschaft neue Ideen, Fähigkeiten und Stärken zu finden. Die meisten Menschen, die du triffst, werden dir sehr gerne deine Fragen beantworten und helfen, deinen Platz zu finden.

Im Gegensatz zur „Arbeitswelt“ brauchen wir in unserem Bewegungskontext in eigentlich keinem Bereich einen qualifizierenden Abschluss oder ein Zertifikat, um Aufgaben übernehmen zu können oder anzufangen uns einzuarbeiten (du sollst nicht ohne eine Ahnung von Erster Hilfe Sanitäter*in sein, aber natürlich kannst du ohne Journalistik-Studium eine Pressemitteilung schreiben!). Das hat ein enormes Potential: wir können uns alle eine Vielzahl von Fähigkeiten aneigenen, Aufgaben ausprobieren, „unsere“ Aufgabe finden – aber immer wieder das gleiche zu machen kann auch bedeuten, von anderen in einer bestimmten Rolle wahrgenommen zu werden. Die Pressecheckerin, der, der Ahnung von Infrastruktur hat, und sie, die immer moderiert und alles auf dem Schirm behält – teilweise kriegt man dann Aufgabenpakete und Verantwortlichkeiten zugeschoben, die man gar nicht haben wollte. Natürlich können feste Zuständigkeiten auch eine Erleichterung sein, weil sie Verlässlichkeit suggerieren – aber was machen wir, wenn z.B. eine Person mal eine wohlverdiente Pause braucht und niemand anderes so wirklich weiß, wie deren Aufgaben zu erfüllen sind?

Unsere Wahrnehmung ist, dass es helfen kann, immer wieder aktiv andere Aufgaben zu übernehmen, um nicht derart in Rollen festgeschrieben zu werden. So können wir auch mit beeinflussen, dass nicht manche als unersetzbare „Köpfe“ der Bewegung gelten oder Leute aus Pflichtbewusstsein keine Pause machen, obwohl sie eine bräuchten.

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