Deine Aufgabe finden


Als Aktivist*in ist man grundsätzlich jemand, die*der die eigene Stimme einsetzt um Wandel zu bewirken. Vermutlich sind wir alle irgendwann das erste Mal auf einer Demo mitgelaufen, ohne wirklich zu verstehen, was alles an Organisations- und Netzwerkarbeit dahinter steckte. Und für viele von uns ist dann einige Zeit später der Moment da, in dem wir selbst das erste Mal einen Flyer entwerfen, die Küfa organisieren, ein Bündnistreffen moderieren, eine Rede auf dem Lauti halten, kurz: dass wir anfangen, uns politisch zu organisieren, wir werden zu „organisierten Aktivist*innen“ (s. „Organizer“ in Kapitel 3).

Organisierte Aktivist*innen wollen meist auf die eine oder andere Weise noch viele andere Menschen dazu bewegen, Teil der Bewegung zu werden. Das bedeutet auch, ein Auge darauf zu haben, mit wem man noch zusammenarbeiten könnte, obwohl vielleicht auf den ersten Blick die Beweggründe oder Ziele verschiedener Personen oder Gruppen nicht übereinstimmen müssen. Zu beachten, in welchen Stadien Gruppen sind, und sich auf Augenhöhe miteinander zu organisieren ist auch eine Art, seine Kämpfe miteinander zu verbinden. Generell geht es also um kollektives Arbeiten in organisierten Gruppen. Als Einzelperson und als Gruppe die eigenen Beweggründe zu finden und gut zu kennen kann dabei helfen, anderen die eigenen Visionen, Werte und Lösungen verständlich zu machen, und so eine solide Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen.

Das ist im Grunde eine gute Übung: Natürlich ist es wichtig, sich als Aktivist*in in einer organisierten Gruppe zu bewegen, mit der man viele Einstellungen teilt und sich gut versteht. Ziel ist es ja aber, auch Personen, die (noch) nicht deiner Meinung sind und noch nicht mit uns kämpfen, zu erreichen

Es gibt verschiedenste Aufgaben, die anfallen, wenn organisierte Aktivst*innen (z.B. Klimagerechtigkeitsaktivist*innen) die Kämpfe anderer durch ihre Arbeit unterstützen wollen:

  • sich mit den direkt Betroffenen und ihren Organisationen vernetzen, ihre Wünsche herausfinden und beachten, sie in der Umsetzung unterstützen
  • Unterstützung für die Bewegung leisten verschiedenste Einzelpersonen, Kollektive, Gruppen und Netzwerke, mit ihren jeweils eigenen Fähigkeiten – Trainer*in, Moderator*in, Lehrer*in, Forscher*in, Sanitäter*in, Antirepressionserfahrene und viele mehr.

  • Öffentlichkeitsarbeit – das Thema der Bewegung medial, in politischen Netzwerken und darüber hinaus zur Debatte werden zu lassen, je nach den eigenen Ansprüchen dadurch Druck auszuüben, Forderungen umzusetzen… Statt hierbei aber sich selbst zu profilieren muss man immer beachten, dass andere Gemeinschaften oder Zusammenhänge vielleicht aus verschiedenen Gründen weniger Chance auf Sichtbarkeit (in den Medien) haben, und man ihnen diese nicht noch nehmen sollte. Stattdessen also beachten, was für neue Netzwerke sich auch eingehen lassen, und wie die eigene Öffentlichkeitsarbeit andere unterstützen kann.

  • auf dem Schirm behalten, was Überschneidungen zu anderen Teilen der Bewegung sind, diese immer wieder herausstellen, z.B. Zusammenarbeit anregen (Bsp.: Klimawandel, Sexismus, Rassismus haben verschiedene sich überlappende Themen).

  • was wäre eine Demo, ein Camp zu dem niemand kommt, eine Besetzung von der niemand erfährt, die*der sie unterstützen könnte? Alle brauchen Menschen, die mobilisieren! Ob online oder offline, spontan oder auf lange Sicht – connections, gute Ideen für Mobivideos, das alles ist wichtig!

  • Kultur trägt Botschaften weiter und damit zur gesellschaftlichen Veränderung bei. Politisch motivierte Theaterstücke, Konzerte, Ausstellungen, Lesungen machen Spaß – und Sinn!

  • Wer kocht für die Demoteilnehmenden, wer baut das Camp auf, putzt die Toiletten, wer betreut die Musikanlage beim Konzert? Ohne dass Menschen diese wichtigen infrastrukturellen Aufgaben übernehmen, könnten so viele Veranstaltungen gar nicht stattfinden – sie sind ab-solut zentral

  • .und tausend andere Aufgaben, die immer neu entstehen können.

Viele üben nie nur eine dieser Aufgaben aus, und manche schon. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten mögen verschiedene Aufgaben unterschiedlich wichtig sein oder wahrgenommen werden. Manche schwierigen Situationen werden vielleicht nur Menschen, die bestimmte Aufgaben erfüllen, wiederfahren, oder nur durch die, die bestimmte andere Aufgaben erfüllen, gelöst werden können.

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