Respektiere dann vertraue

Da die Klimagerechtigkeits-Bewegung keine Inselbewegung sein will, müssen wir Wege finden mit Menschen Vertrauen aufzubauen, mit denen es vielleicht nicht immer einfach ist: Wir können nicht einfach immer nur mit unseren Freund*innen abhängen, wenn wir eine Bewegung aufbauen wollen. Für uns sind dabei Respekt als grundlegende Wertschätzung und Vertrauen auf und in Andere zentral.

Einer der einfachsten Wege, Vertrauen durch Respekt aufzubauen, ist aktives Zuhören. Höre auf zu reden und fange an, die Geschichten und Ideen der Menschen zu hören. Eine Möglichkeit um zu überprüfen, ob du aktiv zuhörst, ist dir die Frage zu stellen: Formuliere ich meine Antwort schon während noch jemand redet? Insbesondere, wenn du tendenziell viel redest, frage dich: Warum spreche ich gerade?

Eine andere Methode um Respekt aufzubauen, der sich weiter zu Vertrauen entwickelt, ist offen und ehrlich über Herrschaftsverhältnisse zu sprechen, egal ob sie formal oder unausgesprochen sind. Das heißt, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass wir nicht alle gleich behandelt werden und dass Menschen häufig die berechtigte Wahrnehmung haben, dass „wir nicht alle im gleichen Boot sitzen“.

Herrschaftsverhältnisse offenlegen zu können ist wichtig, kann aber auch Risiken mit sich bringen. Menschen und Gruppen, die Unterdrückung ausgesetzt sind, machen ganz spezifische, kollektive Erfahrungen. Sie erlangen Wissen, das anderen nicht zugänglich ist, weil sie diese Form von Unterdrückung nicht erfahren. Diese Unterschiede sind real und sollten beachtet werden, z.B. beim Redeverhalten oder der Gestaltung von Entscheidungsfindung, aber auch schon in der Auswahl der Themen, über die gesprochen und entschieden wird. Umgekehrt ist es auch nicht immer einfach, mit eigenen Privilegien konfrontiert zu werden. Es ist wichtig, auch für die Auseinandersetzung damit Raum zu schaffen, sodass Menschen wissen, dass eigene Lernprozesse gut, wichtig und unterstützenswert sind, und sie nicht in eine Abwehrhaltung verfallen müssen. Die Feministin bell hooks vertritt die Ansicht, dass Unterdrückung eine Abwesenheit von Wahlmöglichkeiten ist. Unser Ziel darin, Herrschaftsverhältnisse aufzuzeigen sollte also sein, Wahlmöglichkeiten zu vergrößern, die wir als Individuen und Gruppe zusammen haben.

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