Fehler und Unsicherheiten

Für viele von uns ist es schwierig, mit Fehlern und Unsicherheiten umzugehen. Wir leben in einer Kultur der Stärke, die es einzelnen Menschen, aber auch Organisationen schwer macht, offen mit ihren Leerstellen und Unperfektheiten umzugehen. Oftmals wird dann versucht, etwas zu vertuschen oder eine Schuldige zu suchen. Das macht das Problem natürlich meistens nur noch größer. Was wir stattdessen brauchen, ist eine Kultur der Offenheit und Fehlertoleranz. So können wir Schuldgefühle abbauen und Solidarität leben. Und ja: Wir alle machen Fehler, auch die angeblich erfahrensten und abgeklärtesten unter uns. Wie oft schon wurde ein Veranstaltungsraum für das falsche Datum gebucht, Rechtschreib-fehler in Flyern (und vermutlich auch dieser Broschüre) erst nach dem Druck entdeckt und in Interviews eine ungeschickte Antwort gegeben. Doch nicht Perfektheit ist unsere Stärke als Bewegung, sondern Ehrlichkeit uns selbst und anderen gegenüber.

In unserer politischen Arbeit lernen wir uns selbst und einander oft in Momenten kennen, die uns an unsere Grenzen bringen, z.B. wenn wir etwas Grundlegendes verbocken. Das auszuhalten kann schwierig sein, lässt uns aber auch viel lernen, wenn wir dennoch weitermachen. Wir entwickeln verschiedene Verteidigungsmechanismen (aggressiv, ausweichend, unterwürfig werden oder ganz vergessen, was überhaupt passiert ist) um z.B. nicht zeigen zu müssen, warum wir es gerade nicht aushalten, kritisiert zu werden oder weshalb uns eine Situation stresst. Diese Verhaltensweisen können den Lernprozess im Umgang miteinander behindern, in dem es ja eigentlich darum geht, zu verstehen, was bei mir und bei den anderen emotional gerade wirklich los ist. Nicht alles ist dabei offensichtlich, wie zum Beispiel:

  • Trauma in der Vergangenheit: Ein Trauma, das wir in unserer Vergangenheit erlebt haben, manifestiert sich häufig auf unvorhergesehene Art und Weise. Wir wollen nicht allzu psychoanalytisch werden, aber vergangene Ereignisse und Interaktionen zu betrachten ist hilfreich, um zu verstehen was kommt. Oft begegnen wir in schwierigen Situationen den Traumata und Bewältigungsmechanismen Anderer.

  • Soziale Geschichte: Neben persönlichen Traumata gibt es auch kollektive Spuren der Vergangenheit. Diese miteinander vertrauensvoll zu bearbeiten ist wichtig, um Verletzungen und Konflikte zu verstehen. Dies können zum Beispiel Jahrhunderte lange Diskriminierungserfahrungen oder Momente des Scheiterns von Bewegungen sein.

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