Solidarische Organisierung


If you have come here to help me, you are wasting your time. But if you have come because your liberation is bound up with mine, then let us work together.“

– Lilla Watson & Aborigine Aktivist*innen Queensland, 1970er

Sich mit den Kämpfen anderer zusammenzuschließen ist eine Form der Solidarität. Wir praktizieren Solidarität in unserer politischen Arbeit nicht nur, weil wir uns ideologisch dazu verpflichtet fühlen, sondern auch weil es strategisch sinnvoll ist. Das hilft uns dabei, uns über Denkmuster des Paternalismus hinauszubewegen – z.B. dass die mit den Ressourcen denen „helfen“, die auf den ersten Blick keine zu haben scheinen. Wer sich der eigenen Privilegien und Betroffenheiten und ihrem Verhältnis zur Be-troffenheit anderer nicht bewusst ist, kann schnell auf Glatteis landen. Um mit denen, die anders gesellschaftlich positioniert sind als du, gut zusam-menarbeiten zu können, musst du zuallererst wissen, wer du selbst bist. Beim Zusammenschließen müssen teils unangenehme Dinge wie Macht, Privilegien, Zugänglichkeit, Betroffenheit, Unterschiedlichkeit, Strategie, Vertrauen usw. diskutiert werden. Aber das erschafft eine Bewegung, in der wir nicht gegenseitig im Namen voneinander handeln, sondern in der wir gemeinsam wirkungsvoll handeln können.

Communities organisieren….

In Kapitel vier werden wir noch näher darauf eingehen, wie man es hinbekommen kann in einem Bündnis respektvoll zusammenzuarbeiten. Wenn man mit direkt betroffenen Gemeinschaften zusammenarbeitet gibt es aber einen grundlegenden Punkt, den wir vorweg benennen wollen: Eigentlich logisch, aber wer direkt von einer bestimmten Art von Ungerechtigkeit oder Unterdrückung betroffen ist weiß am besten, was sie*er/die eigene Gemeinschaft benötigt. Da gibt es auch keinen Weg dran vorbei. Klar, wenn jemand sich nur an der Höhe des Kraftwerks stört und den Schatten nicht im eigenen Garten haben will, dann lässt sich diskutieren, wie sinnvoll es ist, diese eine Betroffenheit zum Zentrum unserer Kämpfe zu machen. Manchmal muss man aber vielleicht auch einfach annehmen, was die Betroffenen sich wünschen, und sie bestmöglich bei der Umsetzung unterstützen. Natürlich sind sich Gemeinschaften auch nicht immer einig, deshalb wird man nicht immer „eine“ korrekte Antwort bekommen. Zum Beispiel kann eine Kirche in einer Gemeinschaft ebenso viel Gewicht haben wie Gruppen für soziale Gerechtigkeit, das heißt aber nicht, dass sie sich einig sind. Für solche Zwickmühlen haben wir zwar keine Antworten, aber Fragen, die es wert sind sich zu stellen: „Stimmen wir dieser einen Position einfach nur zu, weil es eine Bekräftigung dessen ist, was wir eh schon gedacht haben?“ und „Ist das relevant für das, was gerade gebraucht wird?“. Welche Kämpfe zu führen gerade sinnvoll ist, bewerten wir schließlich zunächst auch immer vor dem eigenen Hintergrund, mit den eigenen politischen Ansichten. Sich dessen bewusst zu werden und sich stattdessen zu fragen, was für uns gemeinsam jetzt sinnvoll ist, kann ein ganzes Stück Arbeit sein.

zum Seitenanfang

Nächste Seite: Exkurs: Transformatives Community Organizing

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.