Deine Auseinandersetzung finden, dich mit anderen zusammenschließen


Meine Rolle wird klarer, sobald ich meine frontline, meine eigene Auseinandersetzung, finde. Begreife den Einfluss, den Klimawandel auf dich und deine Gemeinschaften hat, benenne ihn, und organisier dich dazu.

Hier ein Beispiel: Wer in Köln lebt, mag erst mal das Gefühl haben, dass schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel weit weg sind und dass die Tagebaue „nebenan“ auch das Problem von „nebenan“ sind. So wissen auch viele Menschen in Köln nicht, dass die immense Luftverschmutzung, die ihnen die Umweltplaketten und immer wieder Atembeschwerden einbringt, gar nicht nur am Straßenverkehr liegt. Feinstaub und andere gesundheitsgefährdende Partikel ziehen auch zu großen Teilen aus den Tagebauen und Kraftwerken, die wenige Kilometer von der Stadt entfernt stehen, herüber. Einige Menschen organisieren sich z.B. als Ärzte oder Eltern um diese Betroffenheit herum und machen sie so zu ihrer frontline. Für andere wiederum fühlt sich die verringerte Luftqualität nicht so dringlich an. In solch einem Fall ist es vielleicht der strategisch beste Weg, mit anderen Leuten zusammen deren frontlines anzugehen.

Das Mantra „global denken, lokal handeln“ funktioniert für individuelle Handlungen, aber wird ziemlich schnell unbrauchbar, wenn man über systemischen Wandel nachdenkt, denn nicht alle Orte sind für die Weltwirtschaft gleich relevant. Stattdessen fordert uns die Vision der Klimagerechtigkeit dazu auf, „strukturell zu denken und strategisch zu handeln“.

Wenn du dich gerade nicht um deine eigene Betroffenheiten herum organisieren kannst, oder du diesen Kampf nicht als strategisch sinnvoll einschätzt, oder wenn du das Gefühl hast, gemeinsam mit anderen mehr zu erreichen (was meistens der Fall sein wird), solltest du deine frontline mit anderen zusammenschließen.

Wenn „deine frontline zu finden“ sich um deinen Bezug zur Betroffenheit dreht, dann dreht sich „deine frontline mit anderen zusammenschließen“ um den Bezug zu unserem politischen Moment, also um unser Strategie. Wir können feststellen, dass manche Kämpfe bedeutend für alle anderen Kämpfe sind, und dass sie uns allen helfen können, die Spielregeln zu verändern.

Wichtig zu behalten ist, dass du eigentlich nie alleine von etwas betroffen bist. Du kannst deine Betroffenheit benennen und dann in einer Gruppe mit ihr arbeiten. Gemeinsam lässt sich mehr erreichen! Obwohl viele lokale Gemeinschaften ihre eigenen dringenden Kämpfe haben, die sie sich teils nicht aussuchen können und auf die sie sich fokussieren müssen, bleibt immer noch vielen die Wahl, sich da einzubringen, wo es gerade strategisch sinnvoll ist und so letztendlich gemeinsam komplexe Krisenherde anzugehen.

zum Seitenanfang

Nächste Seite: politischer Kompass

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.