Adrian Rinnert


Die Menschen, die in von fossiler Industrie geprägten Regionen leben, haben eine eigene Perspektive. Diese kann von einer starken Identifizierung mit dem Arbeitgeber bis hin zu dem Bemühen reichen, dem eine Alternative entgegenzusetzen. Adrian Rinnert, der beim Bündnis „Strukturwandel jetzt – kein Nochten II“, gegen die Braunkohletagebaue in der Lausitz, sowie bei „Eine Spinnerei – vom Nachhaltigen Leben e.V.“ in der Lausitz aktiv ist, teilt mit uns einige Gedanken zu lokaler Betroffenheit und Demokratie.

Die Themen Braunkohle und Klimagerechtigkeit sind sich in der öffentlichen Wahrnehmung sehr nah. Im Bündnis „Kein Tagebau Nochten II“, das von uns 2013 initiiert wurde, stehen Forderungen und Vernetzungsarbeit für Klimagerechtigkeit auch immer auf der Prioritätenliste der gemeinsamen Arbeit. In dem Projekt „Eine Spinnerei“ treibt uns eher die Sorge um die Demokratie um, weil sie Schlüssel für das Engagement in alle mögliche Richtungen ist.

Unsere lokale Betroffenheit , z.B. die Abbaggerung von Eigentum und die Zerstörung von Wasserraum, spiegelt ein Demokratiedefizit in Deutschland wider.

Es ist ungerecht, wenn Betroffene an Entscheidungsprozessen nicht teilnehmen dürfen. Dieses Problem tritt auch außerhalb von Kämpfen um Klimagerechtigkeit auf.

Eigentlich macht uns unserem Projekt „Eine Spinnerei“ die Flüchtlingskrise und der zugrunde liegende Nationalismus zu schaffen. Am liebsten würden wir unsere Zeit investieren dafür zu kämpfen, dass Europa den Fliehenden die Türen öffnet.

Nun ist es in unserer Gesellschaft aber so, dass die Presse lieber „direkt“ Betroffene zu Themen interviewt. Dass bedeutet für uns, dass wir im Tagebauwiderstand – anders als in der Bewegung gegen die Festung Europa – viel größeres Gehör kriegen, als z.B. Gruppen aus Berlin oder Dresden.

Wir glauben, dass es sinnvoll ist, dass sich unsere Bewegungen an strategischen Vorteilen orientieren. Zur Zeit haben wirtschaftliche Interessen solche Übermacht, dass die relativ kleine Gruppe der sich dagegen wehrenden Menschen ihre Energie sehr effizient verwenden sollte, solange sie sich entsprechend motivieren kann.

Das ist der Knackpunkt: Mir persönlich fällt es nicht selten schwer Braunkohlewiderstand als höchste Priorität zu sehen, da er es emotional nicht immer ist. Unsere Erfolge wie jüngst die Verhinderung des Tagebaus Nochten II zeigen jedoch wie effektiv unsere Arbeit ist.“

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