Perspektiven auf Klimagerechtigkeit


In unserer politischen Arbeit und in dieser Broschüre beziehen wir uns auf den Begriff der Klimagerechtigkeit. Dieser ist nicht zu verwechseln mit Klimaschutz, worunter wir, stark heruntergebrochen, eine Forderung nach weniger CO2 & Co. in der Atmosphäre verstehen. Klimaschutz soll vor allem durch technologische Lösungen umgesetzt werden und verändert nichts an der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Situation, die den menschengemachten Klimawandel ja überhaupt erst hervorgebracht hat.

Das Prinzip der Klimagerechtigkeit geht weiter, indem es Menschen und Gesellschaften sowohl als Ursache als auch als Betroffene sieht. Dementsprechend muss der Versuch einer Abwendung der Klimakrise beinhalten, dass diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben (und deren Unterdrückung notwendiger Bestandteil davon war und ist), nicht auch noch die größte Last desselben tragen müssen. Es geht also um Ausgleichung, wo sie möglich ist, und um die Anerkennung, dass der Klimawandel soziale, gesundheitliche, ökonomische Folgen hat – und das für manche mehr als für andere.

Das Prinzip der Klimagerechtigkeit ist nicht statisch, sondern verändert sich. Je nach Kontext werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, weswegen es keine einheitliche Definition geben kann. Wir wären auch die falschen, um solch eine Definition vorzulegen. Stattdessen möchten wir euch verschiedene Perspektiven auf Klimagerechtigkeit zeigen und damit den Rahmen abstecken, innerhalb dessen unsere Arbeit stattfindet.

Der Begriff „Klimagerechtigkeit“ kommt aus indigenen Widerstandsbewegungen in den USA, die sich gegen grün-kapitalistische und neokoloniale Marktlösungen des Klimawandels stellten. Aktuell haben Kämpfe gegen verschiedene Ölpipelines viel Aufmerksamkeit bekommen. Der unten stehende Text, der erstmalig und ausführlicher in Englisch auf The Conversation (6) veröffentlicht wurde, beleuchtet den Zusammenhang von Kolonialismus und Klimagerechtigkeit. Auch wenn sich dieser Text auf die historische Schuld der USA fokussiert, möchten wir darauf hinweisen, dass auch Deutschland Mitschuld trägt und anerkennen sollte. Deutsche Unternehmen wie die Deutsche Bank oder Siemens profitieren vom Bau der Pipelines und in ehemaligen Kolonien des Deutschen Kaiserreiches, wie z.B. Nigeria, wird aktuell massiver Ölabbau durch westliche Konzerne betrieben.

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(6) http://theconversation.com/why-the-native-american-pipeline-resistance-in-north-dakota-is-about-climate-justice-64714

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