Bewegungsgeschichte


Der lange Weg, der hinter uns liegt…

Um besser Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können, ist es wichtig, dass wir uns die Geschichte der Klimagerechtigkeitsbewegung bewusst machen. Wir wollen hier in aller Kürze zwei Entwicklungen in den USA und Deutschland nachzeichnen, dabei ist dieser Überblick selbstverständlich nicht allumfassend.

In den 1960er Jahren entstand in den USA eine Umweltbewegung, die sich gegen lokale Auswirkungen industrieller Umweltverschmutzung einsetzte. Mit ihrem Ansatz von „not in my backyard“ versäumte es diese mehrheitlich weiße und finanziell gut gestellte Bewegung, die Ursachen der Probleme zu bekämpfen. Stattdessen verschoben sie die Symptome auf nicht-weiße und/oder ärmere Gemeinschaften, in denen sich eine tiefgreifendere Umweltgerechtigkeitsbewegung bildete. Dies findet teilweise auch heute noch statt, so zum Beispiel als die weiße Bevölke-rung der Stadt Bismarck, North Dakota (USA) sich aus Sorge vor ver-schmutztem Trinkwasser dagegen wehrte, dass die Dakota Access Pipeline (DAPL) durch ihre Stadt verläuft. Die DAPL wird nun durch indigene Territorien gebaut, wo eine Bewegung gegen (Umwelt-)rassismus, Extraktivismus und Kolonialismus sichtbar geworden ist.

So wie diese Bewegung entstand auch die Klimagerechtigkeitsbewegung aus einem Kampf gegen (vermeintlichen) Klimaschutz und grünen Kapitalismus, der beispielsweise über Landraub zu Lasten der indigenen Bevölkerung Nordamerikas geht. Beide Bewegungen entstanden in den am stärksten betroffenen Gemeinschaften und stellen umfassende Forderungen nach tiefem gesellschaftlichem Wandel und Gerechtigkeit in Bezug auf Klima, Gesundheit, Wasser, Land und Ernährung. Innerhalb dieses breiteren politischen Rahmens der Kämpfe um Gerechtigkeit geht es nicht mehr nur um technische Lösungen, marktkonforme Lösungen und Eisbären. Stattdessen ist klar: Klimagerechtigkeit heißt, alle Herrschaftsformen zu überwinden. Dies ermöglicht es, verschiedene Bewegungen, zum Beispiel gegen Rassismus und Neo-Kolonialismus und für Gesundheit und Ernährungssouveränität zu verbinden und gemeinsam für ein Gutes Leben für alle zu streiten!

In Deutschland entstanden nach 1968 eine Vielzahl an Umweltverbänden und Bürger*inneninitativen (BIs), auch in den Kohlerevieren. Bis heute organisieren sich viele Menschen innerhalb und außerhalb der Reviere auf diese Art und Weise. Während in anderen Teilbewegungen hauptsächlich ein kooperativer Politikstil gefahren wurde, war in der Anti-Atom-Bewegung eine Ablehnung von Staat und Kapital stark vertreten, was sich nicht zuletzt in den Aktionsformen von Wyhl bis Gorleben widerspiegelte. Auch viele von uns Klimagerechtigkeits-Aktiven haben im Wendland erste Erfahrungen mit (Schienen)blockaden, Protestcamps und Selbstorganisation gesammelt.

Die Idee der Protest- und Klimacamps kommt ursprünglich aus Großbritannien und entstand dort aus den Kämpfen gegen Straßenbauprojekte und die kapitalistische Globalisierung.(4) In Deutschland gab es 2008 das erste Klima- und Antirassismus-Camp in Hamburg, 2010 die ersten Klimacamps in Bonn und im Rheinland und seit 2011 auch in der Lausitz und 2013 im Mitteldeutschen Revier.(5) Sie basieren auf vier Säulen: Vernetzung, Bildung, Utopien leben und direkte Aktionen durchführen. Aus dem Klimacamp im Rheinland 2011 entstanden auch wir, ausgeco2hlt.

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(4) s. dazu: Frenzel, Fabian, Entlegene Orte in der Mitte der Gesellschaft. Zur Geschichte der britischen Klimacamps, In: Brunnengräber, Zivilisierung des Klimaregimes, 2011, S. 163–186
(5) Zur Geschichte der deutschen Klimagerechtigkeitsbewegung: Sander, Hendrik, Die Klimagerechtigkeitsbewegung in Deutschland. Entwicklung und Perspektiven, 2016 -- online unter: https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Studien/Onlinestudie_Klimagerechtigkeit.pdf

 

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